Über das Museum

Ein verborgener Schatz auf dem Dachboden

Im Herz der Amsterdamer Innenstadt liegt ein kleines Wunder verborgen: Das Museum Ons’ Lieve Heer op Solder. Besucher gehen in einem einmalig gut erhaltenen Grachtenhaus aus dem Goldenen Jahrhundert auf Entdeckungsreise. Schmale Gänge und Treppen führen zu historisch eingerichteten Wohnräumen, Küchen und Alkoven bis hin zum absoluten Höhepunkt des Museums: einer kompletten Kirche auf dem Dachboden.

Die Kirche wurde im Auftrag des damaligen Eigentümers des Gebäudes gebaut, des wohlhabenden katholischen Kaufmanns Jan Hartman (1619-1668). Er wohnte dort mit seiner Familie zu der Zeit, als katholische Gottesdienste in den Niederlanden offiziell verboten waren. Die Protestanten hatten 1578 die Macht in der Stadt übernommen. Die römisch-katholischen Gläubigen – etwa 20 Prozent der Amsterdamer Bevölkerung im 17. und 18. Jahrhundert – gerieten dadurch ins Hintertreffen. Sie konnten ihre Messe nicht mehr in den offiziellen Kirchen abhalten, denn diese waren fortan für den protestantischen Gottesdienst bestimmt. 

Toleranz
Der aus Deutschland stammende Jan Hartman kaufte 1661 nicht nur das Grachtenhaus am Oudezijds Voorburgwal, sondern auch die zwei dahinter liegenden Häuser. Er ließ die oberen Stockwerke der drei Gebäude miteinander verbinden. Dort wurde die Kirche eingerichtet. Die protestantische Stadtverwaltung wusste von der Kirche auf dem Dachboden, duldete aber so gut wie alle Glaubensüberzeugungen, die es in Amsterdam gab. Die Kirche ist damit ein typisches Beispiel der für die Niederlande so charakteristischen (religiösen) Toleranz, für die Wilhelm von Oranien im 16. Jahrhundert das Fundament schuf. Glaubens- und Gewissensfreiheit bilden bis heute die Grundpfeiler des Museums. Und so ist das Museum Ons’ Lieve Heer op Solder auch heute noch ein wunderbarer Erlebnis- und Besinnungsort.

Ausbau
Nach dem Rijksmuseum ist das Museum Ons’ Lieve Heer op Solder das älteste Museum der Stadt. Jährlich kommen mehr als 100.000 Besucher. Es ist vor allem der Initiative von Privatpersonen zu verdanken, dass dieses einzigartige Denkmal aus dem Goldenen Jahrhundert erhalten blieb. 2015 wurde es um ein zusätzliches Gebäude auf dem Oudezijds Voorburgwal 38 erweitert, dort, wo sich jetzt der Eingang befindet. Die beiden Gebäude sind durch eine unterirdische Passage miteinander verbunden. Das Museum Ons’ Lieve Heer op Solder ist jetzt ein Ort, an dem Geschichte greifbar und alles alt und authentisch ist, an dem Besucher das Gebäude und die Geschichte erleben und an dem überdies eine Verbindung zur Vergangenheit geschaffen wird.